ACHTUNG: Dieser Text kann Spuren von Ironie enthalten und es besteht das Risiko, dass manche Aussagen falsch interpretiert werden können. Manchen kann es sogar so vorkommen, als wäre eine parallele zur Realität erkennbar. Dies ist natürlich nicht der Fall und auch nicht die Intention des Autors.

Wir schreiben das Jahr 2021. Ausgangssperren, Kontaktverbote und geschlossene Grenzen bestimmen unser Leben und unseren Alltag. Wenigstens die Bewegung an der für uns so wichtigen frischen Luft, ist noch erlaubt. Zur mentalen Erholung und zur Stärkung des Immunsystems. Zum Glück spielt sich unser geliebter Bergsport genau an dieser frischen Luft ab. Trotzdem ist’s komplizierter als man denkt. Da Kontakte zu vermeiden sind, wäre eine Karriere als Free-Solo-Kletterer naheliegend. Da diese aber ähnlich gefährlich als der Coronavirus ist, nicht unbedingt die erste Wahl. Ein Kompromiss muss her. Zum Glück schaffen wir eine rechtmäßige Konstellation mit nur zwei Haushalten zu bilden. Also doch wieder erlaubt.

Nächstes Problem: Wohin??? Da die Eissituation in Deutschlande generell eher bescheiden ist, wäre unser geliebtes Nachbarland Österreich oder die schöne Schweiz die erste Wahl. Dort warten aber noch viel bösartigere Mutationen und mutierte Mutantenmutationen des Viruses auf uns. Daher sind diese als absolutes Risikogebiet eingestuft. Naheliegend, im wahrsten Sinne des Wortes. Nach langen Überlegen finden wir ein Ziel, welches zumindest Virusbedingt safe ist und somit auch nicht als Risikogebiet eingestuft wird. Das Lande Mordor. Ein 300m senkrechtes Eisgebilde, welches sich mit Abgeschiedenheit, Kälte & Eisschlag erfolgreich den Infektionsträger vom Leibe hält. Also wird unser gut belüftetes Mobil mit Kletterausrüstung, FFP2-Masken und uns selbst bestückt.

Nächstes Problem: Da der Virus gerne die finstere Nacht nutzt, um seine Opfer aus dem Hinterhalt zu befallen, ist natürlich jegliche Bewegung außerhalb der eigenen vier Wände untersagt. Die eigenen vier Räder bilden da leider keine Ausnahme. Da meine beiden Mitstreiter jedoch tagsüber zur Geldbeschaffung unterwegs sind, stellt sich hier ein klarer Konflikt dar. Zum Glück ist unser Mobil mit einer starken Lichtanlage ausgestattet, somit machen wir die Nacht zum Tag und halten uns die Gefahr vom Leib. Außerdem ist so mancher Busbewohner eh der Überzeugung, dass das Auto sein Zuhause ist und es somit doch wieder die eignen vier Wände sind. Auf Rädern halt…

Am Ziel angelangt, wird das Zuhause nun virensicher verriegelt. Zur weiteren Abwehr verabreichen wir uns eine Trinkstoff namens Bier. Dieser macht den Virus (und uns) ganz wirr und keiner kennt sich mehr aus. Somit kann auch keiner mehr Schaden anrichten. Ab ins Bett.

Am nächsten Tag am Wandfuß des Eisfalls angelangt, fühlen wir uns zum ersten Mal so richtig sicher. Hier, in der Nässe und Kälte ists so ungemütlich, da geht kein Infektionsträger freiwillig hin, sonst würde er sich ja kalte Bratzen holen, wie wir es gleich darauf tun.

So bleibt es bei den alltäglichen Gegebenheiten des Winteralpinismus, Lockerschneelawinen, Eisschlag & festgefrorene Seile. Man könnte fast meinen, im Tal der Gesetzlosen herrscht ein kleines bisschen Normalität. Damit wir davon aber nicht zuviel abbekommen, kehren wir rechtzeitig zur Zivilisation, und somit leider auch zur Realität zurück, und verbarrikadieren uns in unserem Infektionsschutzmobil. Alle 30 min belüftet. Zur Sicherung der Sicherheit gibt’s wieder ein paar Trinkdosen vom Vierenverwirrungsmittel namens Bier. Ab ins Bett!

Tag 2: Wir nehmen bereits im Tal Anlauf, um schnell genug das Anlauftal hochzukommen, bevor uns Mitkletterer und Viren einholen um uns auf die Nerven zu gehen. Beim Eisklettern geht’s nämlich primär darum, als Erster ganz oben zu klettern und den Nachkletternden Zeug auf die Birne zu schmeißen. Wer danach einsteigt, ist selber Schuld. Harte, kalte Welt. Im Reiche Mordors angekommen, können wir zum ersten Mal des Tages verschnaufen. Wir, das heißt mein Bruder und ich, denn unser Haushaltsfremder muss nochmal zurück zum Auto um vergessenes Material zu holen. (Anm. d. Autors: Vielleicht doch etwas zu viel des Verwirrungsstoffes?) Also geht’s für Ihn wieder runter, Zeug einpacken, Anlauf nehmen und wieder rauf. Neue Bestzeit, wir gratulieren!

Die darauffolgenden 300 Meter der Vertikalen laufen recht unspektakulär ab. Keine Überholkommandos oder gar Eiszapfen entgegen der Fahrtrichtung. Quasi schon fast langweilig, zum Glück gibt’s bald im Tal wieder Abwechslung. Ganz oben angekommen hält die Euphorie nur kurz an, frische Luft schnappen, Aussicht genießen und schon erinnert uns das Infektionsschutzgesetz daran, dass wir wieder rechtzeitig runter müssen, um innerhalb der Ausgangsbeschränkung nicht außerhalb der eigenen vier Wände zu sein. Also Abseilen, Luft anhalten, das Anlauftal wieder runter (für manchen schon zum zweiten Mal), Bus auf, wir rein, Bus zu, geschafft. Fast… Denn wir müssen ja noch ein hochriskantes Hochrisikogebiet passieren, ohne sich vom Virus erwischen zu lassen.

Am nächsten Morgen treten zwei müde, aber kerngesunde Frischluftfanaten ihre fünftägige Bergluftquarantäne an. Zum Schutz vor… was auch immer.

Disclaimer: Dieser Text soll weder dazu aufrufen, verbotene Aktionen zu unternehmen, noch soll er gegen irgendetwas hetzen. Er dient lediglich zur Darstellung meiner eigenen Meinung und zur Aufdeckung eventuell bestehender Missstände in der aktuellen Zeit.

Letzten Endes liegts doch an uns, was wir aus dieser Zeit machen. Stay safe! Wo auch immer!

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