Kalterüberschreitung in zwei Akten

Die Überschreitung des Hochkalter, vorbei an den größten Kuchenstücken der Welt, über das Blaueis rauf und über das Ofental hinunter ist eine schöne Tour mit steilem Firn und ein paar einfachen Kletterstellen zum Gipfel. Nachdem ich diese schon ein paarmal in der warmen Jahreszeit gegangen bin, war ich der Überzeugung dass diese auch mal im Winter „gmacht gherd“. Mit’m Robert und Korbi R. sind ohne größere Überredungskünste schnell zwei Tourenpartner gefunden. Und um den Charakter der Tour mit dem Aufstieg übers Blaueis in einem schattigen nordseitigen Kar noch weiter zu unterstreichen, haben wir uns passenderweise den kältesten Tag des kompletten Winters ausgesucht. Um 5 Uhr geht’s los aus’m Rosenheimer Exil zum Treffpunkt an der Autobahn in Piding. Das frühe Aufstehen hat sich nur bedingt gelohnt, da meine beiden Mitstreiter aufgrund eines plötzlichen Leistungseinbruches ihres fahrbaren Untersatzes mit 50 km/h anreisen mussten. Scheinbar ist der heutige mitteleuropäische Diesel nicht mehr auf diese Temperaturen ausgelegt. Da meine Blechkiste mit einem kältetoleranteren Treibstoff betrieben wird, geht’s mit dieser weiter. Vielleicht ist’s auch einfach die alte Technik…

Am schattigen Parkplatz am Hintersee angekommen pressierts uns unglaublich in Bewegung zu kommen und wir haben die ersten Höhenmeter schnell hinter uns gebracht. Aufwärts geht’s zuerst aufgrund des Schneemangels in diesem Winter zu Fuß über die Forststraße (merke: viel Kalt nicht gleich viel Schnee). Irgendwann erreichen ein paar Sonnenstrahlen den Wald durch den wir marschieren und die Schneekristalle glitzern im Licht, so hat auch die Kälte ihre Reize. Deutlich weniger reizvoll ist’s dann am Fuße des Blaueisgletschers, wo sich scheinbar sämtliche kalten Lüfte sammeln und man sich in voller Montur trotz Bewegung nicht mehr erwärmen kann. Deutliche Windfahnen im Gipfelbereich und tiefe Triebschneeablagerungen in der Mitte des aufsteilenden Gletschers tun den Rest und ein Umdrehen erscheint am sinnvollsten. Ohnehin ist’s schön langsam Zeit für einen heißen Kaffee.

Schneefahnen_beim_ersten_Versuch_1.jpg

 

Einen neuen Versuch gibt’s bei besten Frühlingsbedingungen am letzten Februar und Tina gesellt sich für einen ausgewogenen Anteil an langhaarigen in der nun vierköpfigen Gruppe hinzu. Dass am Blaueis heute deutlich bessere Bedingungen herrschen scheint sich im weiten Umkreis herumgesprochen zu haben. Jedenfalls kommts am Drahtseil zur Blaueisscharte zu kurzen Wartezeiten (Wahre Puristen umgehen den Beginn der Drahtseilpassage in einer Rinne drei Meter rechts). Nach einem kurzen Abstecher zur Blaueisspitze geht’s weiter in Richtung Hochkalter. Was im Sommer ein paar 2er Kletterstellen bedeutet ist im Winter lediglich eine steile Stapferei mit zwei Engstellen durch eine Rinne. Am Gipfel angekommen zeigt der Korbi R., dass er an uns denkt und packt für jeden ein Stamperl Schnaps ausm Rucksack. Das wärmt von innen und hätte es beim letzten Versuch wohl noch deutlich mehr gebraucht. Heute steigen wir aber durch die angenehm warme und sonnige Südflanke ab ins Ofental. Dort geht’s dann endlich auf Ski weiter bis zur Waldgrenze, wo wir durch den Schneemangel die Ski auch schon wieder tragen müssen. Gute Touren sind halt manchmal hart verdient

Engstelle_beim_zweiten_Versuch_1.jpg

Fotos und Bericht von Korbi Gernt

 

 

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.