Gerade von der Scheienfluh Westverschneidung kommend, hängten wir aufgrund des unbeständigen Wetters unsere Westalpen-Pläne an den Nagel und machten uns auf den Weg in‘s Val di Mello. Dort spekulierten wir auf ein Schönwetter-Fenster das für eine der klassischen Touren wie der Cassin am Badile oder der Gemellikante geeignet ist. Während wir auf das stabile Hoch warteten, vertrieben wir uns die Zeit in unserem Lieblingscafe Kataluna mit unzähligen Briochen und Cappuccinos und dem studieren von italienischsprachigen Kletterführern. Bis uns schließlich so langweilig wurde, dass wir Schlaghaken in Sportkletterrouten versenkten, um diese anschließend zu testen. Als wir wieder beim gewohnten Frühstück saßen, blinzelte plötzlich die Sonne hervor und Robert war sofort in Aufbruchsstimmung. In wenigen Minuten packten wir unser Equipment und machten uns an den Zustieg. Wir wollten den Granit-Klassiker ´´Luna Nascente ´´ klettern. Nach kurzer Zeit verirrten wir uns im steilen Gestrüpp. Da ich nach eineinhalb Stunden Suche die Hoffnung den Einstieg zu finden schon aufgegeben hatte und das Frühstück nur aus einer Brioche bestand, hatte ich schon gar keine Lust mehr auf die Schinderei. Bis wir mehr oder weniger zufällig auf eine Seilschaft am Einstieg trafen. Denen wir direkt hinterher kletterten, es folgte eine schöne Seillänge nach der Anderen, die überwiegend ´´clean´´ waren. Auch die Schlechtwetter-Front im Nacken und das zwischenzeitliche Nieseln taten den Piaz-, Hand- und Fingerrissen keinen Abbruch. Sondern zwang uns dazu einigermaßen zügig zu klettern, sodass nach drei Stunden der Spaß zu Ende war. Nach dem routinierten abendlichen Wetter-Check, machten wir uns auf den Weg in die Brenta, wo wir auf einen weiteren Klassiker hofften. Viel zu spät kamen wir am Parkplatz oberhalb von Madonna di Campiglio an, und viel zu früh standen wir auf um den vierstündigen Zustieg hinter uns zu bringen. Meine einzige Motivation war der Espresso der mich auf der Brentai-Hütte erwarten sollte, umso enttäuschter war ich als diese auf Grund einer Renovierung geschlossen hatte. Am Einstieg galt es zuerst eine Altschnee Flanke hinauf zu steigen, um dann die Randkluft zu überqueren. Diese war erfreulicherweise noch hart gefroren und so konnte man der Kälte wenigstens etwas Positives abgewinnen. Roberts alpinistischer Instinkt führte uns auf dem richtigen Weg über den Vorbau, den wir am gleitenden Seil kletterten. Da wir nur eine grobe Wandskizze besaßen waren wir froh als wir auf die zweite Seilschaft in der Wand trafen. (Die sich im Vorbau verklettert hatte) Nachdem wir das Topo von ihnen abfotografiert hatten, überholten wir sie. Von da an musste man anständig zupacken, da es an die beiden Schlüsselseillängen im 6ten Grad ging. Nachdem wir dies überwunden hatten, folgte Klettergenuss bis zum Ausstieg, in großgriffigem, steilem Dolomitenfels. Deswegen handelt es sich aber noch lange um keine Plaisiertour, auf den 800 Klettermetern befinden sich nur um die 30 Schlaghaken und ein Bohrhaken (der wackelt), der einen Standplatz verbessert. Erst um 19 Uhr standen wir auf dem Gipfel. Und machten uns an den oft überhängenden 12-fach Abseiler in der Westwand. Da wir aber nach 30 Metern schon auf ein abgeschnittenes Seil trafen und wir den nächsten Abseilstand nicht finden konnten, querten wir aus der Wand und beschlossen doch am Gipfel zu nächtigen. Kurze Zeit später kamen auch die anderen Zwei zu uns, mit denen wir unsere Brotzeit und die Biwakschachtel teilten. Am nächsten Morgen machten wir uns an den Abstieg zur Cima Tosa. Der Weg ist zwar immer gut mit Steinmännern markiert, aber oft sehr ausgesetzt und eher anspruchsvoll. Nach einem ständigen auf und ab und einigen Abseilern stehen wir morgens gegen acht Uhr auf der Cima Tosa. Von dieser stiegen wir eine weitere Stunde zur Pedrotti Hütte ab. Da wir nur noch 10 Euro für´s Frühstück hatten, machten wir der italienischen Hütten-Wirtin klar, dass wir so viel Kuchen wollten, wie man eben für diesen Betrag bekommen kann. Frisch gestärkt machten wir uns an den restlichen Abstieg zum Auto, der sich noch zwei Stunden ziehen sollte. Dafür war der Genuss bei der Einkehr im Anschluss umso größer, der auch den Abschluss für unseren Kletterurlaub darstellte.

Bericht von Korbi R.

 

 

 

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